Emmy ist ein fünf Jahre altes, aufgewecktes Mädchen mit Trisomie 21. Mit ihren langen, blonden Haaren steht sie mitten im Laub und hält ein Blatt.

Emmy, ein fünf Jahre altes Mädchen mit Trisomie 21, steht im Mittelpunkt von Mario Wezels preisgekrönter Fotodokumentation „One in eight hundred“.

Foto: Mario Wezel
Fotoessay
Mario Wezel

One in eight hundred

Mario Wezel dokumentiert in seiner preisgekrönten Arbeit das Leben einer dänischen Familie mit deren Tochter, die das Down-Syndrom hat. Seine Fotos zeigen den Alltag von Emmy und ihrer Familie, also wie es ist, ein Kind mit Trisomie 21 großzuziehen.

Acht Monate begleitete Mario Wezel Emmy und ihre Familie, es entstand ein enges Verhältnis zueinander. Mit ihren Eltern Karina und Martin und ihrem jüngeren Bruder Kristian lebt die kleine Emmy in der Nähe von Aarhus in Dänemark. Im Schwangerschafts-Screening wurde den Eltern mitgeteilt, dass es eine Wahrscheinlichkeit von 1:800 für Trisomie 21 gebe. „Emmy war einfach die Nummer 1, sagen Karina und Martin heute. Zur Zeit der Fotodokumentation war Emmy fünf Jahre alt, mittlerweile ist Emmy elf Jahre alt.

„Seitdem im Jahr 2004 die pränatale Diagnostik in ganz Dänemark eingeführt wurde, hat sich die Zahl von Neugeborenen mit Down Syndrom bis zum Jahr 2012 um mehr als 70 Prozent verringert“, so Mario Wezel. Es kann bereits in der zwölften Schwangerschaftswoche eine Prognose darüber abgegeben werden, ob der Fötus eine Chromosomenerkrankung hat. Die folgende Fruchtwasseruntersuchung liefert dann ein eindeutiges Ergebnis. „Weit über 90 Prozent aller Däninnen und Dänen entscheiden sich dafür, ihr Kind abzutreiben, wenn sie herausfinden, dass es mit einer Behinderung geboren werden wird. Ob es der Hang zum Perfekten, das Streben nach einem angenehmen Leben oder die großen Schwierigkeiten des Lebens mit Trisomie 21 sind, die zu dieser Entscheidung führen, ist nicht zu verallgemeinern.“ Gründe aber, denen Mario Wezel mit seinem Projekt auf den Grund gehen will.

„Sind wir bereit, gewisse technische Möglichkeiten zu nutzen und die damit einhergehende Verantwortung auf uns zu nehmen? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Welche Werte und Normen vertreten wir? Was geht verloren, wenn alles vorhersehbar ist? Was ist normal? Wie unterschiedlich und vielschichtig sollen unsere Gesellschaft und die Menschen darin sein?“. Weitere Details in Mario Wezels Artikel in ZEIT ONLINE unter https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2014-05/down-syndrom-praenataldiagnostik-one-in-eight-hundred

 

 

Mario Wezel lebt und arbeitet in Hannover. Er ist Absolvent der Hochschule Hannover. Seine Fotos erscheinen unter anderem in der ZEIT, im Süddeutsche Magazin, im National Geographic, im Spiegel, dem Greenpeace Magazin, Stern oder The Washington Post. Ein Jahr verbrachte der Fotokünstler in Dänemark, wo er am Internationalen Programm der Dänischen Hochschule für Medien und Journalismus teilnahm. Dort entstand auch der Kontakt zu Emmys Familie und zu Emmy. Für seine Fotodokumentationen wurde Wezel mehrmals ausgezeichnet: so etwa mit dem Sony World Photography Award für sein Langzeitprojekt „One in eight hundred“ oder mit dem VGH-Fotopreis für „Urban Farming – Wo Wissen auf den Bäumen wächst“. In seinen Arbeiten widmet sich Mario Wezel vornehmlich sozialen Themen, durch die er Anregungen über die Normen und Werte unseres Lebens geben möchte.

mail@mariowezel.com