Eine Frau – sie hat MS – wird aus dem Auto gehoben. Ihre rechte grazile Hand hält sich an der Schulter einer anderen Frau fest.

Mama hat MS – 2006 hat Konny Hoffmann die Diagnose Multiple Sklerose erhalten. Zwei Jahre lang begleitete die Fotografin Sina Niemeyer die mittlerweile 52-Jährige und ihre Tochter Lea, 26.

Foto: Sina Niemeyer
Fotoessay
Sina Niemeyer

Mama hat MS

2006 hat Konny Hoffmann die Diagnose Multiple Sklerose erhalten. Zwei Jahre lang begleitete die Fotografin Sina Niemeyer die mittlerweile 52-Jährige und ihre Tochter Lea, 26. – entstanden sind berührende Fotos.

Die ausgebildete Kunst- und Mathematiklehrerin sitzt im Rollstuhl, muss gefüttert werden und das Sprechen fällt ihr zunehmend schwerer. Mittlerweile ist der Tremor bei Konny sehr stark ausgeprägt und sie verfügt kaum mehr über feinmotorische Kontrolle. Ihr Interesse für Kunst ist bis heute nicht abgerissen und oft erkennt sie den Maler eines Bildes schon aus großer Entfernung. Obwohl sie nur wenig Kontrolle über ihre Strichführung hat, malt sie regelmäßig in der Ergotherapie in ihrer Pflegeeinrichtung in Bad Nenndorf. Lea nimmt ihre Mutter mit auf Reisen, organisiert Ausstellungen mit Konnys Bildern von früher, wäscht sie, liest ihr vor. 

Seit Mai 2015 lebt Konny in einer Pflegeeinrichtung, da ihre Familie nicht mehr ausreichend für sie sorgen konnte. Hier sind Lea und Konny zusammen im Urlaub in einer Jugendherberge (1).

Konny und Lea, mit ihrer besten Freundin, auf dem Weg zu einer Ausstellung, die Lea in Hannover mit den Bildern ihrer Mutter organisiert hat (2).

Da Konny Tiere gern mag, haben Lea und ihr Vater eine Reittherapie für sie organisiert. Mittlerweile ist Konny zu schwach und kann sich selbst mithilfe von drei Angestellten nicht mehr auf dem Pferd halten (3).

Berührungen sind für Konny selten geworden. Ihr Ehemann hat seit 2014 eine neue Freundin, kümmert sich aber nach wie vor um sie (4).

Konny an ihrem Lieblingsort in Bad Nenndorf, ein Süntelbuchenwald (5).

Man nennt MS auch die Krankheit der 1000 Gesichter. Konny und Lea geben die Hoffnung nicht auf, dass Konny wieder gesund wird (6).

 

Sina Niemeyer schreibt eigentlich nicht so gern Biografien über sich selbst. Sie möchte nicht, dass andere wissen, dass sie in Hannover geboren wurde, dort aufgewachsen ist und dann auch noch dort studiert hat. Fotojournalismus und Dokumentarfotografie nämlich. Zwischendurch war sie aber häufig weg und nun wohnt sie in Berlin. Nein, stimmt nicht. In Schöneiche bei Berlin. In einem großen Haus, mit großem Garten, Hund, Kater und sechs Hühnern. Das klingt fast so wie Reihenhausendstück und Auto mit Garage, ist aber schöner. Seit 2012 ist Sina als freiberufliche Fotografin tätig. Ihre Arbeiten erscheinen regelmäßig in internationalen Magazinen und werden auf Fotofestivals weltweit gezeigt. 

Web: www.sinaniemeyer.com