Ein Mädchen mit Haube, Jacke und über dem T-Shirt sichtbarem Ernährungsschlauch spaziert durch eine Straßenallee entlang eines Flusses. Im Hintergr...

Kylie, ein 13 Jahre altes Mädchen mit frühkindlichem Autismus, lebt in ihrem eigenen Universum. Die Fotografin Sabine Findeisen hat sie einfühlsam begleitet.

Foto: Sabine Findeisen
Fotoessay
Sabine Findeisen, Fotografin

Kylie M. – Im Hier und Dort

Seit eineinhalb Jahren folge ich Kylie M. immer wieder auf Schritt und Tritt. Dabei möchte ich mich nicht nur auf den Autismus beschränken, sondern ihr spezifisches Menschsein zeigen.

Die Mütze bis knapp über die Augenbrauen gezogen und mit beiden Zeigefingern an ihren Ohren, spaziert sie bedächtig durch die Welt in ihrem eigenen Universum. Das Zwitschern der Vögel beunruhigt sie. Aus dem Rucksack, den sie immer bei sich hat, ragt ein langer Schlauch. Eine kleine Maschine im Rucksack pumpt ihr das Mittagessen direkt in den Magen. Sie isst nicht – hat sie noch nie. Kylie ist ein 13 Jahre altes Mädchen mit frühkindlichem Autismus. Zunächst waren ihre Eltern sehr ratlos, als sich ihr Neugeborenes quasi selbst abstillte. Es ist noch ein Hauch der damaligen Verzweiflung in seiner Stimme zu hören, als Kylies Papa mir von der Zeit erzählt, in der sowohl Ärzte als auch das Jugendamt ihnen vorgeworfen hatten, ihr Kind – damals fast schon untergewichtig – nicht adäquat zu ernähren. Als dann die Diagnose stand, wurde vieles leichter, erklärbarer und zugleich auch komplizierter, so die Eltern. Kylie zeigt viele der als „typisch“ klassifizierten Auffälligkeiten im Bereich der Wahrnehmung, der Entwicklung, des Sozialverhaltens und der Kommunikation. Sie spricht nicht – hat sie noch nie.

 

Sabine Findeisen ist Dipl. Sonderpädagogin. Ihre zwei größten Leidenschaften sind das Interesse am Menschen und die Fotografie. Deswegen studiert sie jetzt neben ihrer Arbeit in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung Fotojournalismus und Dokumentarfotografie in Hannover. Authentizität und Leidenschaft sind zwei wichtige Grundpfeiler ihres künstlerischen Ansatzes, den Fokus möchte sie auf sozialdokumentarische Fotografie und Portaits legen. „Ich will Menschen sehen und fühlen. Das kann mir mit der Fotografie gelingen: Unsichtbares sichtbar machen und somit Bewusstsein schaffen bei den Betrachtern, idealerweise bei einer breiten Öffentlichkeit“ – so ihr Credo. 

www.sabinefindeisen.com