Blinde, iranische Frau in Hijab geht durch ein hohes Haferfeld und streckt die rechte Hand prüfend aus.

„Das Dorf der Blinden“, Fotoessay von Swinde Wiederhold

Fotoessay
Swinde Wiederhold

Das Dorf der Blinden

Chaharborj ist ein kleines Dorf im Nordosten des Irans. Dort hat ein angeborener Gendefekt überdurchschnittlich viele blinde Angehörige im Familienstammbaum hervorgerufen. Swinde Wiederholds Fotoreportage schafft ein einfühlsames Bild vom „Dorf der Blinden“.

Häufige Heiraten innerhalb der Verwandtschaft haben zu einem Gendefekt geführt, infolgedessen etwa jedes hundertste Kind blind zur Welt kommt. Erst 2011 bemühte sich ein Mediziner darum, diesen Kausalzusammenhang genau zu analysieren; er entwickelte einen Test, dem sich heiratswillige Paare seither unterziehen müssen, um das Risiko einer Weitergabe des schädlichen Gens zu minimieren. Man hofft, dass es so irgendwann ganz aus der Blutlinie verschwindet.

„Das Wasser ist verseucht! Kauft euren Ayran, eure Milch, euren Joghurt nicht in Chaharborj! Verheiratet eure Mädchen nicht mit Männern aus diesem Dorf!“ All das war schon in iranischen Zeitungen zu lesen. Außenstehende behaupten sogar, dass über dem Dorf ein Fluch liege. „Die Dorfbevölkerung geht hingegen beispielhaft mit den sehbehinderten Menschen in ihrer Mitte um. Mit beeindruckender Selbstverständlichkeit werden die blinden Menschen in das Leben der Gemeinschaft eingebunden“, betont Swinde Wiederhold.

Seit ihrem ersten Besuch im Dorf – im August 2015 – hat die Fotokünstlerin die Bewohnerinnen und Bewohner in ihr Herz geschlossen. Nach zwei weiteren Aufenthalten wurde ihr klar, dass es im Umgang mit blinden Menschen im Vergleich zu Deutschland einen gewaltigen Unterschied gibt: Die fehlende staatliche Unterstützung – Blindheit gilt im Iran als Stigma – wird durch die Familie ausgeglichen.

Für Swinde Wiederhold ist die Geschichte des Dorfes Chaharborj eine „Geschichte der Hoffnung und Überwindung“. Sie ist ein „Beispiel an unbezwingbarer Lebensfreude. Blinde und behinderte Menschen werden innerhalb der Gemeinschaft wie ganz normale Mitbürgerinnen und Mitbürger behandelt. Sie werden akzeptiert“.

 

 

Swinde Wiederhold, geboren 1988 in Essen, absolvierte nach ihrem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Polizistin, bevor sie sich alleine für drei Jahre auf den Fahrradsattel schwang und von Argentinien nach Alaska fuhr. Im Anschluss an ihre Panamericana-Tour nahm sie 2014 ein Studium für Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover auf. Mit einer iranischen Kommilitonin flog sie das erste Mal in den Iran. Ihre zweite Langzeit-Radreise (Februar – Oktober 2017) führte sie, begleitet von ihrem Partner, von der Schweiz nach Pakistan. In Chaharborj legten sie gemeinsam eine Radpause ein und besuchten das „Dorf der Blinden“. 

Unterstützt wurde dieses Projekt durch den Globetrotter World Photo-Förderpreis, den Swinde Wiederhold im Jahr 2017 auch gewann.

www.swinde.de

instagram: swindephotography

Bunte, ineinander verschachtelte Altstadthäuser
Foto: Ulrich Heimlich
Coronakrise

Spiel als Inklusion – Inklusion als Spiel

Es ist an der Zeit, einige trügerische Gewissheiten zum kindlichen Spiel zu erschüttern. Vielfach wird gerade in der Qualifikation frühpädagogischer Fachkräfte angenommen, dass als bekannt vorausgesetzt werden kann, was unter Spiel zu verstehen sei. Wer allerdings in die einschlägige Literatur zum Thema schaut, wird dort eine große Unsicherheit in der Begriffsbestimmung feststellen. Auch die Gleichsetzung des Freispiels mit einer Methode (Lorentz 1992) verstellt eher den Blick auf das freie Spiel von Kindern und ihre phantasievollen Eigenkreationen, als dass die Kinder tatsächlich zur Freiheit im Spiel angeregt würden. Weder eine Didaktik des Spiels noch Interventionen in kindliche Spieltätigkeit sind ohne weiteres möglich, ohne den Charakter des Spiels zu zerstören. Gerade in der Ausbildung von frühpädagogischen Fachkräften bedarf es von daher einer grundlegenden Neuorientierung im Bereich der spielpädagogischen Qualifikation. Das gilt besonders angesichts der Gestaltung inklusive Spielprozesse in Kindertageseinrichtungen.

Arkadengang im Innenhof von Schloss Hartheim. An der Wand hängen Gedenksteine.Am Boden stehen Blumengestecke.
Arkadengang im Innenhof von Schloss Hartheim. An der Wand hängen Gedenksteine. Am Boden stehen Blumengestecke.
Coronakrise
Denkanstösse
Meinhard Lukas

Die Täter von Hartheim und was wir als Menschen sind

Der Mercedes Omnibus trägt das Kennzeichen der Reichspost. Er hält an der Westseite des Schlosses. Der Holzschuppen schützt vor neugierigen Blicken. Angestellte, die sich Pfleger nennen, empfangen die Menschen im Bus, begleiten, nein eskortieren sie auf ihrem letzten Weg. Auch der kleine Seppi muss sich anstellen.

Bunte Landschafts- und Stadteindrücke
Porträtfoto André Frank Zimpel, Foto: privat
Fachthema
Andre´ Frank Zimpel

Spiel und Förderung

„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Phantasie umkreist die ganze Welt.“
(Albert Einstein 1929)

„Befehlen, fragen, erzählen, plauschen gehören zu unserer Naturgeschichte so wie gehen, essen, trinken, spielen.“
(Ludwig Wittgenstein 1953)

Willi,  seine Schwester Olivia und Mama Birte Müller liegen miteinander spaßend auf einer Decke im Gras.
Willi,  seine Schwester Olivia und Mama Birte Müller liegen miteinander spaßend auf einer Decke im Gras.
Coronakrise
Willis Insiderwissen
Birte Müller

Bist du neurotypisch oder was?

Sitzen eine Normalo-Mutter und eine Behinderten-Mutter mit ihren Kindern im Café. Sagt die Mutter des neurotypischen Kindes: „Mein Sohn ist so intelligent! Er konnte schon mit zehn Monaten laufen.“ Denkt das behinderte Kind: „Was für ein Depp, ich hab mich schön bis zum sechsten Lebensjahr tragen lassen.“

Männer, Frauen und Kinder bewegen sich an Händen haltend im Kreis. Eine Frau in der Mitte des Kreises schlägt eine Trommel.
Männer, Frauen und Kinder bewegen sich an Händen haltend im Kreis. Eine Frau in der Mitte des Kreises schlägt eine Trommel.
Coronakrise
Tanz und Rhythmus
Maria Glawitsch, Marcella Rowek

TaKeTiNa: Die Kraft des Rhythmus

Die tiefklingende Basstrommel und das surrende Berimbau – ein brasilianisches Saiteninstrument – erfüllen den Raum. Zum Ende hin werden sie immer leiser, bis der Klang ganz im Raum verhallt. Der Rhythmus ist noch immer ganz deutlich im Körper spürbar: „Ta“ „Ke“ „Ti“ „Na“.